Krönender Abschluss: Leon Schandl holt Silber bei World University Games

Ein letzter großer Auftritt: Mindener startet bei den World University Games

Dortmund () Die Einladung kam überraschend: Leon Schandl hatte mit dem Hochleistungssport Ende des Jahres aufgehört. Und trotzdem steht für den Mindener Ruderer noch ein Karriere-Höhepunkt an. Der 24-Jährige ist für den Achter mit Steuermann berufen worden, der Anfang August bei den World University Games im chinesischen Chengdu starten wird. „Für mich ist es eine Ehre, das ich dabei sein darf“, sagt Schandl.

Noch einmal darf sich der angehende Bauingenieur das Deutschlandtrikot überstreifen. Als erster Athlet des Bessel-Ruder-Clubs hatte Leon Schandl vergangenen Sommer den Sprung in die Nationalmannschaft geschafft und seinen ersten Weltcup in Polen bestritten. Dann aber kam der Knick. Bei der Heim-EM in München war Schandl nicht dabei, zu weiteren Weltcups fuhr er als Ersatzmann. Es reifte in ihm der Entschluss, das Rudern als Hochleistungssport aufzugeben. Nach der Entscheidung, die ihm nicht leicht fiel, ist der Mindener mit sich im Reinen.

Trainiert hat Schandl danach auch weiterhin, aber das Pensum und die Intensität nahmen ab. „Fünf bis sieben Einheiten in der Woche mache ich trotzdem noch“, sagt er. Das Equipment und die Räume am Bundesstützpunkt in Dortmund, wo er auch studiert, darf Schandl weiterhin nutzen. „Nur in den Trainingsgruppen war ich nicht mehr dabei.“

Mit einer Nominierung für die Universiade, wie die World University Games früher hießen, hat der 24-Jährige nach seinem Abschied aus der Kaderschmiede nicht mehr gerechnet. Aber Bundestrainerin Sabine Tschäge schlug ihren ehemaligen Athleten vor. „Seit Ende des Jahres wusste ich, dass ich im erweiterten Kreis bin, Mitte Juni kam dann die Bestätigung“, erzählt Schandl.

Seitdem fokussiert sich der Ruderer auf die bevorstehenden Wettkämpfe. „Allerdings ist es auch ein wenig stressig, weil ich kurz vor der Abreise vier und direkt nach der Ankunft noch zwei Klausuren schreibe“, sagt Schandl.

Abzusagen kam für ihn aber nie in Frage, denn der Modellathlet ist sich seiner einmaligen Chance bewusst. Schließlich dürfen bei den Welthochschulspielen die Sportler nicht älter als 25 sein. „Bei der nächsten Universiade, die im Rhein-Ruhr-Gebiet in zwei Jahren stattfindet, wäre ich also eh zu alt“, sagt der 24-Jährige. Für ihn ist es nach seinem Rücktritt aus dem Nationalkader zudem der wohl letzte internationale Wettkampf. Und: In China war Schandl, trotz seiner zahlreichen Teilnahmen an Junioren-Weltmeisterschaften auch noch nie.

Chengdu ist mit seinen knapp 21 Millionen Einwohnern die viertgrößte Metropole des Landes und die Hauptstadt der Provinz Sichuan. „Dort sollte bereits vor zwei Jahren die Universiade stattfinden. Aber aufgrund der Pandemie fiel sie aus“, weiß Leon Schandl.

Die Chinesen hatten zu dem Zeitpunkt bereits neue Sportstätten und Unterkünfte auf dem Unicampus gebaut – alles in modernster Architektur. „Wir werden auf dem Campus auch wohnen, es ist wie ein Olympisches Dorf“, sagt der Mindener, der sich auf die vielen Begegnungen mit internationalen Sportlern freut. Immerhin sind die World University Games im Sommer mit ihren mehr als 13.000 Teilnehmern aus über 140 Nationen die zweitgrößte Multisportveranstaltung der Welt nach den Olympischen Sommerspielen.

Der Deutsche Hochschulsportverband schickt eine Delegation von knapp 200 Athleten nach Chengdu. Wenn die Spiele am kommenden Freitag starten, steigen die Ruderer allerdings erst in Frankfurt in den Flieger. Ihre Wettbewerbe beginnen erst am Freitag, 4. August, und dauern bis Sonntag, 6. August, an. „Wir werden zwar die Eröffnungsfeier nicht erleben, dafür aber die Schlussfeier“, erzählt Schandl.

Die Chancen des deutschen Achters kann der BRC-Athlet nur sehr schwer einschätzen. In der Konstellation sind die Ruderer nur in den wenigen Vorbereitungswettkämpfen gefahren. „Wir kennen uns aber schon seit Jahren und haben die gleichen Vorstellungen, wie wir rudern wollen“, erklärt Schandl. Er geht davon aus, dass die USA und die Niederlande starke Mannschaften haben werden. „Aber man weiß nie, welche Athleten letztendlich in den Booten sitzen wird“, sagt er. China wird als Gastgeber garantiert auch ein harter Konkurrent sein. Ein noch größerer Gegner könnte allerdings das Wetter werden. Temperaturen um die 35 Grad und eine Luftfeuchtigkeit an die 90 Prozent sind in Chengdu im August normal.

Leon Schandl nimmt es, wie es kommt. Er weiß, dass die World University Games sein letzter großer Wettkampf sein wird. Und den will er genießen.

Foto: Christian Schwier

 


Chengdu () Krönender Karriere-Abschluss für den Mindener Ruderer Leon Schandl: In seinem letzten großen Rennen gewann er bei der Universiade im chinesischen Chengdu nach einem überragenden Auftritt die Silbermedaille und war danach überglücklich. „Es war die erste Medaille bei einer Internationalen Regatta für mich. Dass es hier in China zu Silber gereicht hat, ist sensationell“, war der Bauingenieur-Student der Technischen Universität Dortmund im Gespräch mit dem Mindener Tageblatt hocherfreut ob des Coups im „Reich der Mitte“.

Zusammen mit seinen Teamkollegen Friedrich Dunkel (Uni Hamburg), Lukas Föbinger (TU Dortmund), Henry Hopmann (Uni Bochum), David Keefer (TU Dortmund), Henning Köncke (Medical School Hamburg), Till Martini (Uni Erlangen-Nürnberg), Rene Schmela (HS Ruhr-West) und Tom Tewes (Uni Bochum) musste sich der Mindener im Finale nur den Niederlanden geschlagen geben. Die Bronzemedaille ging an den Achter des Gastgebers aus China.

„Wir haben nach dem zweiten Platz im Vorlauf, als wir die ersten 250 Meter in Führung gelegen hatten und die Niederlande dann an uns vorbeigezogen waren, noch an einigen Stellschrauben gedreht und wollten es im Finale unbedingt besser machen. Das ist uns dann auch gelungen“, sagte Schandl.

Im Endlauf legte das deutsche Großboot wiederum einen hervorragenden Start hin und lag immerhin 700 Meter lang in Führung, ehe die Niederlande dann doch wieder ihre Stärke ausspielten. „Wir haben versucht, so lange wie möglich dran zu bleiben und ihnen das Leben so schwer wie möglich zu machen. Ich denke, sie haben unsere Gegenwehr gemerkt, auch wenn sie am Ende verdient gewonnen haben“, bilanzierte der Mindener das spannende Rennen.

Im Kampf um den zweiten Platz sahen sich die Sportler des deutschen Flaggschiffs dann plötzlich auch den immer besser ins Rennen kommenden Chinesen ausgesetzt. „Zwischenzeitlich lagen die Chinesen sogar vor uns. Doch von der 1.500-Meter-Marke an haben wir das Heft in die Hand genommen, einen langen Schlussspurt angezogen und uns den zweiten Platz dann nicht mehr nehmen lassen. Bei unserem Finish hat wirklich alles gepasst“, freute sich Schandl und nahm mit seinen Teamkollegen die verdiente Silbermedaille entgegen.

Ruder-Disziplinchef Sören Dannhauer resümierte den glänzenden Finaltag mit den Worten: „Die deutschen Studierenden haben eine starke Teamleistung gezeigt. Unsere Boote haben ihr Potenzial durchweg ausgeschöpft. Auf und neben dem Wasser ist die deutsche Mannschaft überzeugend aufgetreten. Ich kann allen Sportlerinnen und Sportlern nur gratulieren.” Mit zwei Silber- und drei Bronzemedaillen sowie weiteren Top-Acht-Platzierungen hatte sich das deutsche Ruderteam von seiner besten Seite gezeigt.

Nach der Abschluss-Zeremonie stand für Leon Schandl noch in der Nacht zu Mittwoch der Rückflug nach Deutschland an. „Jetzt bereite ich mich auf die nächsten Klausuren in Dortmund vor“, sagte der Mindener, der sich nicht besser von der großen Bühne des Leistungsruderns hätte verabschieden können.

Foto: Arndt Falter